Android gehört uns. Noch. Aber wie lange?

Keep Android Open – bevor es zu spät ist!

Stell dir folgendes Szenario vor, du kaufst ein neues Smartphone, bezahlst es aus eigener Tasche und gehst selbstverständlich davon aus, dass es dein Eigentum ist. Ein Jahr später erhält das Gerät ein Systemupdate. Danach erscheint beim Installieren einer App plötzlich eine Meldung: „Diese App darf auf deinem Gerät nicht mehr installiert werden.“

Nicht, weil die App illegal wäre. Nicht, weil sie nachweislich gefährlich ist. Sondern, weil der Entwickler nicht im vorgesehenen Register steht. Genau dieses Szenario könnte ab September 2026 Realität werden.

Was konkret geplant ist!

Google plant die Einführung eines globalen Verifizierungs- und Registrierungssystems für Android‑Entwicklerinnen. Nach aktuellem Stand sollen ab September 2026 auf zertifizierten Android‑Geräten nur noch Apps installierbar sein, die von registrierten Entwicklerinnen stammen.

Eine solche Regelung würde unter anderem bedeuten:

Registrierung mit amtlichem Identitätsnachweis mögliche Gebühren Zustimmung zu Googles Bedingungen Offenlegung bestehender und geplanter Apps Nachweis über verwendete Signaturschlüssel

Die Einschränkungen würden sich dabei nicht ausschließlich auf den Play Store beziehen, sondern potenziell auch auf Sideloading, alternative App‑Stores wie F‑Droid sowie direkt verteilte APK‑Dateien. Offiziell wird die Maßnahme als Sicherheitsverbesserung kommuniziert. Faktisch würde sie jedoch einen tiefgreifenden Eingriff in die bisherige Offenheit des Android‑Ökosystems darstellen.

Transparenz & Einordnung!

Zum aktuellen Zeitpunkt basieren Teile dieser Entwicklung auf veröffentlichten Richtlinien, offiziellen Ankündigungen sowie auf Interpretationen der geplanten Änderungen. Wie genau die technische Umsetzung im September 2026 konkret aussehen wird, ist derzeit noch nicht vollständig öffentlich dokumentiert.

Dennoch ist die Richtung klar genug, um eine grundlegende Debatte zu führen. Selbst wenn sich Details in der praktischen Umsetzung noch ändern sollten, steht ein zentrales Prinzip zur Diskussion: Wer entscheidet künftig darüber, welche Software auf deinem Gerät installierbar ist?

Warum das dich betrifft!

Diese Diskussion ist keineswegs nur ein Thema für Entwickler oder Technik‑Enthusiasten. Sie betrifft ganz konkrete Anwendungen im Alltag, etwa einen Passwort‑Manager außerhalb des Play Stores, eine kleine Open‑Source‑App, ein spezialisiertes Nischen‑Tool einer unabhängigen Entwicklerin oder eine App aus dem Umfeld von Aktivismus und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Android war bislang die Plattform, auf der all das möglich war. Wenn diese Offenheit schrittweise eingeschränkt wird, verschwindet nicht nur eine Installationsoption. Es stehen vielmehr Vielfalt, Innovation, Experimentierfreiheit und digitale Selbstbestimmung auf dem Spiel.

Sicherheit ist wichtig! – aber …

Natürlich existieren Malware, Betrug und gefälschte Apps. Sicherheit ist ein legitimes und wichtiges Anliegen. Doch Sicherheit darf nicht automatisch bedeuten, dass Kontrolle immer stärker zentralisiert wird. Vollständige Kontrolle garantiert keine perfekte Sicherheit. Sie verschiebt in erster Linie Macht. Und Macht ist nie neutral.

Worum es wirklich geht!

Es geht nicht darum, Google pauschal als „gut“ oder „böse“ einzuordnen. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob ein einzelnes Unternehmen diese strukturelle Entscheidungsmacht besitzen sollte. Wenn ein Unternehmen faktisch bestimmen kann, welche Software auf Milliarden von Geräten weltweit ausgeführt werden darf, dann handelt es sich nicht mehr nur um eine technische Richtlinie. Es geht um Infrastrukturmacht – und Infrastruktur formt Gesellschaft.

Wem gehört dein Smartphone wirklich?

Gehört dein Smartphone dir? Oder gehört es letztlich dem Unternehmen, das definiert, welche Software darauf laufen darf? Android galt lange als Gegenmodell zu geschlossenen Systemen – als Plattform für Open Source, für Tüftler*innen und für unabhängige Entwickler. Wenn diese Offenheit durch neue Richtlinien eingeschränkt wird, verändert sich das Fundament der Plattform. Vielleicht nicht abrupt, aber schrittweise.

Was wir jetzt tun können!

Wir können uns informieren, diskutieren, Transparenz einfordern und Entwicklerinnen unterstützen. Wenn du selbst Entwicklerin bist, solltest du die geplanten Änderungen sorgfältig prüfen, dich mit Open‑Source‑Projekten vernetzen und konstruktives Feedback einbringen. Als Nutzer*in kannst du alternative App‑Ökosysteme unterstützen, das Thema öffentlich ansprechen und kritisch hinterfragen, wenn „Sicherheit“ pauschal als Begründung für strukturelle Veränderungen herangezogen wird. https://keepandroidopen.org/de/

Es geht um Prinzipien!

Technische Freiheit verschwindet selten mit einem Knall. Sie verschwindet mit einer Richtlinie, einer Bedingung oder einem Update. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Sicherheit wichtig ist. Die Frage ist: Wollen wir, dass Android eine offene Plattform bleibt? Wenn ja, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen.

Quellen: 1 Google. Android developer verification – Timeline & requirements. Android Developers, zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2025. Enforcement ab September 2026 (zunächst Brasilien, Indonesien, Singapur, Thailand), globaler Rollout ab 2027. https://developer.android.com/developer-verification?

2 Jay Peters. Google will verify Android developers distributing apps outside the Play Store. The Verge, 25. August 2025. Überblick zur Identitätsprüfung für Entwickler außerhalb des Play Stores und regionalem Start 2026. https://www.theverge.com/news/765881/google-android-apps-side-loading-developer-verification?

3 Markus Kasanmascheff. Google's Mandatory Android Dev Registration Rule Faces Revolt. WinBuzzer, 25. Februar 2026. Bericht über Kritik von EFF, F‑Droid und weiteren Organisationen an der verpflichtenden Entwicklerregistrierung. https://winbuzzer.com/2026/02/25/eff-f-droid-open-letter-google-mandatory-android-developer-registration-xcxwbn/